Mythos Arkadien: Ein Vorwort zu meinem neuen Blog (I)

27. April 2016

Preußisch-Arkadien, den 24. Dezember 2015

Den Glauben an ein irdisches Paradies gibt es seit der Antike. Je schlechter die Zeiten waren, umso größer der Wunsch nach Frieden, Freiheit und ein Leben im Einklang mit der Natur und frei von allen Konventionen. Namensgeber war eine unscheinbare Gebirgslandschaft auf dem griechischen Pelponnes mit rauhem Klima und ebenso groben Einwohnern, meistens Hirten oder Tierzüchter. Erst Vergil schuf mit seinen Gedichten den Mythos Arkadien. Natürlich wurde diese Idee vom natürlichen und friedvollen Leben immer dem jeweiligen Zeitgeist angepaßt. In der Renaissance erbauten sich die reichen venetianischen Kaufleute Landsitze als Ausgleich zum hektischen, schon ziemlich modernen Leben. Sie betrieben die Landwirtschaft, gingen auf die Jagd, befaßten sich mit Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Unsere heutigen Eliten dagegen führen ein stark reduziertes Leben, gehen “Shoppen”, spielen Golf und langweilen sich auf einer Yacht. Als dann im Absolutismus der Adel entmachtet wurde, mußte man sich als Höfling in einem albernen Ersatz-Arkadien mit Schäferspielen das Leben schön und bedeutend machen. Auch das kündet die moderne Zeit an, dieses Arkadien heißt heute Mallorca.

Aus der scheinbar lebensfrohen Zeit des Barock stammt die melancholische Betrachtung der arkadischen Idee: “Et in Arkadia ego” heißt es auf dem Gemälde des Malers C.F. Barbieri 1591-1666). Einige Hirten stehen erschrocken vor einem verwitterten Sarkophag, der diese Inschrift trägt, und darauf liegt auch noch ein Totenschädel. Diese lateinische Phrase wird bald zum geflügelten Wort, die Übersetzung ist umstritten. Hier ist natürlich gemeint, daß auch der Tod Arkadien nicht verschont.

Goethe schrieb eher wie ein ahnungsloser moderner Tourist “Ich war in Arkadien!” (er meinte  Sizilien), und er jubelte auch “Ich war in der Champagne!”.

J.v. Eichendorff erzählte einen Traum, den er nach einer politischen Veranstaltung in der Zeit des Vormärzes hatte, und was er beschrieb ähnelte dem modernen Politikbetrieb, so daß man seine abschließende Feststellung “Ich war in Arkadien” eher als politisch völlig unkorrekt bezeichnen muß.

In Preußen war man der vielen Kriege des ewigen Unruhestifters Friedrich II. überdrüssig, auch die napoleonischen Kriege hatten dem Land wirtschaftlich den Rest gegeben. Das aufstrebende Bürgertum, die beginnende industrielle Revolution, die Steinschen Reformen brachten das Land in ruhigeres Fahrwasser, Biedermeier und Romantik belebten den Traum von einem neuen Arkadien. Man verwechsele aber nicht die repräsentativen Potsdamer Bauten, die den imperialen Anspruch Preußens unterstreichen sollten, mit dem gediegenen Kunsthandwerk eines Friedrich Schinkel oder P. Lenné. Hinzu kam, daß die preußische Oberschicht viel in Europa herumreiste: Sei es wegen der ständigen Finanznot des Adels auf der Suche nach einer reichen britischen Witwe, sei es Industriespionage, sei es Neugier. Schinkel hatte sicher mit Bewunderung die englischen Gärten von Stourhead gesehen, wo seine romantischen Vorstellungen von einem preußischen Arkadien verwirklicht schienen. Am Ende war es kein Wunder, daß das weltläufige und wirtschaftlich erstarkte Preußen das moderne deutsche Reich gründete und gleichzeitig allerdings die Ergebnisse der Revolution von 1848 annulieren konnte.

Natürlich kann man kritisch anmerken, daß aus der politischen Utopie Arkadien am Ende nur eine artifizielle Landschaftsgestaltung  übriggeblieben ist. Aber man sollte die geistig disziplinierende Wirkung eines ästhetischen Konsenses nicht unterschätzen. Heute wird jeder Tabubruch, jede Geschmacklosigkeit, jede ästhetische Entgleisung unabhängig von der sozialen Herkunft frenetisch als “affengeil” bejubelt und endet als kurzfristige Mode.

Man begleite mich auf meiner Suche nach Akadien, und wenn wir Pech haben, finden wir es nicht., am ehesten aber im kargen Brandenburg.

In eigener Sache

19. März 2013

Preußisch-Arkadien, den 19. März 2013

Mein “Blog des Histomat” wird eingestellt, die Homepage bleibt aber erhalten. Veränderungen in meinem Fahrzeugbestand sind noch nicht eingearbeitet, plane ich aber immer noch.

Ich bin gerade dabei, ein neues Weblog zu gründen, und zwar mit neuer URL und direktem Zugriff. Die Eintragung bei denic ist erfolgt. Bis dahin Geduld, ich habe es aber nicht besonders eilig.  Beiträge sind schon geschrieben, aber es fehlt noch an Bildmaterial.

Histomat

Adel auf Widerruf

28. Dezember 2012

Preußisch-Arkadien, den 31. Dezember 2012

Als die Russen 1945 das Schloß Heinersdorf, heute Gemeinde Steinhöfel, Landkreis Oder-Spree, besetzten, warfen die Soldaten die Kronleuchter durch die geschlossenen Fenster, schossen in die berühmte vergoldete Stuckdecke, leider der einzige Schmuck des Schlosses, setzten meinen jungen Vater mit seiner schon recht großen Familie als Schulleiter ein und wiesen uns das Schloß als Wohnung und gleichzeitig als Dienstort zu. Da er als ehemaliger Berufsoffizier, eine Tatsache, die die “Komendatura” erst später erfuhr, kein pädagogisches Studium absolviert hatte, ordnete die provisorische Zivilverwaltung eine immerhin mehrmonatige Ausbildung an.

Letzter Eigentümer des Schlosses war die Familie “Schulz von Heinersdorf”, die sich irgendwann im 19.Jh. dem preußischen Staat nützlich gemacht hatte und in ähnlicher Weise, aber nicht ganz so zufällig wie mein Vater, von der Obrigkeit über andere erhoben wurde. Deren Vorgänger wiederum waren preußische Offiziere. Hatte man 30 Jahre dem Militär gedient und den Rang eines Oberstleutnant erreicht, wurde man geadelt.

Das Schloß Heinersdorf liegt am gleichnamigen See, westlich des Oderbruchs am Rande der sogenannten “Märkischen Schweiz”, eine Übertreibung, die die Nähe der Stadt Berlin ahnen läßt. Es gibt unzählige Gutshöfe und Schlösser ähnlicher Größe in Brandenburg/Preußen, aber Heinersdorf ist auf jeden Fall das häßlichste Anwesen, im Laufe der Jahrhunderte so verhunzt worden, daß man sich nicht wundert, wenn alle recht- und unrechtmäßigen Besitzer auch gleichzeitig das Unglück gepachtet hatten.

Die Lithographiesammlung Duncker enthielt fast alle Schlösser Brandenburg/Preußens, abgebildet in schmerzlich warmen weichen Farbtönen, die an das Licht eines leicht dunstigen Spätsommertages erinnern und das Vorurteil bestätigen, daß früher alles schöner gewesen sei. Diese Farblithos waren damals ein beliebter Sammelgegenstand, vor einigen Jahren wurden sie neu aufgelegt. Wer sie besitzt, verwendet die eiskalten Digitalphotos von heute nur noch zu Beweiszwecken vor Gericht. Duncker weigerte sich offensichtlich Schloß Heinersdorf abbilden zu lassen, man widmete sich aber liebevoll dem benachbarten Gut Behlendorf, das sich eigentlich von den Bauernkaten nur dadurch unterschied, daß es ein Obergeschoß besaß. Auch das nahe Schloß Steinhöfel, von Schinkel entworfen und mit dem Park von Lenné, alles von allerfeinstem Geschmack, wenn auch etwas eklektisch, war natürlich dabei.

Es war offensichtlich, daß ein Fluch über dem Gut Heinersdorf lag. Traurigstes Beispiel ist Hans-Alexander von Voss, Berufsoffizier, einer der aktivsten Widerstandskämpfer gegen Hitler, dessen Großtante 1944 auf Gut Heinersdorf waltete und bei der er Unterschlupf vor der Gestapo fand. Da er seine Situation als aussichtslos erachtete, nahm er sich am 8. November 1944 am Heinersdorfer See das Leben. Voss plante schon 1940 in Paris als Einzeltäter mit einer Schußwaffe ein Attentat auf Hitler. Wäre er erfolgreich gewesen, und es spricht viel dafür, wäre die Weltgeschichte anders verlaufen, aber der Termin der Parade auf den Champs Élysées wurde abgesagt. In Heinersdorf erinnert keine Gedenktafel an Voss.

Auch meinem Vater brachte Schloß Heinersdorf kein Glück. Die SED schwärzte ihn bei den Russen anläßlich der letzten freien Bürgermeisterwahl als “Kriegsverbrecher” an, obwohl er im Range eines Oberfeldmeister beim “Reichsarbeitsdienst” Brücken und Gleisanlagen repariert hatte, eine Abteilung, die in den letzten Kriegsmonaten bekanntlich viel zu tun hatte. Auch ihm drohte die Verhaftung, aber die Dorfbewohner, die ihn mehrheitlich wählten, warnten ihn und so setzte er sich 1949 nach Berlin (West) ab, wo er nun zum dritten Mal in seinem jungen Leben eine Existenz für seine Familie aufbauen mußte.

Die Sowjetische Besatzungszone hieß nun DDR und nahm ihren unglückseligen Lauf…

Helmut Weiß

Die Berlinisierung Deutschlands (II)

5. Dezember 2012

Preußisch-Arkadien, den 5. Dezember 2012

Die Berlin-Prügler verbreiten vornehmlich im Internet genüßlich Fotos von “Müllecken” verwahrloster Berliner Stadtteile, als Warnung vor einer gesellschaftlichen Seuche, die sich in deutschen Städten auszubreiten droht und sogar schon das Internet ergriffen hat. Ich schaue mir diese Bilder gerne an und es gibt Großstadt-Connaisseure, die den Kunstcharakter dieser Installationen zu würdigen wissen, aber so weit würde ich jedoch nicht gehen, eine besondere Berliner Charaktereigenschaft aufzuwerten. Ich sehe darin eher ein berlinuntypisches, linkisches, schüchternes, aber verantwortungsbewußtes Recycling von Hausrat.

Spätestens jetzt stellt sich bei mir eine Gedankenverbindung zu den Online-Magazinen der großen Verlage im Internet ein. Ich lese am liebsten die Lese- und Kommentarstatistik. Da reißen sich die Autoren den Hintern auf (jetzt mal forsch und berlinerisch ausgedrückt), um die Eurokrise und den Nahostkonflikt zu erklären und zu kommentieren, und was steht oben im Themenranking der Leserschaft: Nacktrodeln im Harz. Die Redakteure mühen sich ab, eine gute Zeitung im Internet aufzubauen und die Leser machen es sich am Rande im Nachrichten-Müll gemütlich. Gut, ist jetzt ein wenig um die Ecke gedacht.

Welche wichtige gesellschaftliche Funktion diese angeblich häßlichen Berlinbilder haben, hat gerade wieder das ManagerMagazin gezeigt: Dort wurde ein Ranking der “lebenswertesten Städte” aufgestellt. Dresden war die einzige ostdeutsche Stadt, die es dorthin geschafft hatte, denn die Befragten dachten besorgt an das Schicksal ihrer Spende für die Frauenkirche. Auch Ludwigshafen, Solingen, Bielefeld und Mülheim gelten als erstrebenswerte Wohnorte, nicht aber Berlin. Ich glaube, daß der Leser dieser unparteiischen Zeilen den gedanklichen Transfer jetzt vollziehen kann, welche Funktion die Stadt Berlin gesamtgesellschaftlich hat.

Die Berufswestdeutschen beschweren sich aber auch lauthals über die “Gentrifizierungstendenzen”, was ebenfalls eine berlintypische Erscheinung sei. Unter “Gentrifizierung” will ich allenfalls die “Disneyisierung” der Innenstädte verstehen und nicht die Verdrängung prekärer und neuerdings auch mittelständischer Einwohner in Bereiche der Stadt, die vorerst als städtebaulicher Investitionsstandort aufgegeben worden sind. Es wird aufgeräumt, gefegt und entrümpelt und die Stadt sortiert sich leider neu nach Vermögen und Einkommen. Diese Entwicklung ist in der wohlhabenden Schweiz zum Abschluß gekommen. In all den öden, “verkehrsberuhigten” Altstädten gibt es nur noch Restaurants, Bistros mit Kreidetafel vor der Tür, Antiquitätenhändler, Antiquariate, reichlich Geranien, die von den Fassaden herunterwallen, vielleicht mal eine Töpferei, aber keine Wohnungen, nur Büros unzähliger Consultants, kein Aldi, auf dem Gehsteig kein Recycling, kein Geländewagen. Das Leben in den “Kultvierteln” der Innenstadt ist teuer, Habenichtse müssen weichen. Für das Kreativhaus “Soho” in Berlin-Mitte wäre es aber eine soziokulturelle Bereicherung, wenn es einer natürlich sorgfältig ausgewählten Romafamilie Unterkunft gewähren würde. Auch die vielen Blogger dort wären für eine Erweiterung des Themenspektrums dankbar.

Halten wir fest: Es muß nicht die Eigentumswohnung für 5.000 €/qm in Berlin sein. In Ludwigshafen ist es auch sehr schön, aber zum halben Preis. Auch dort ordnet die Gentrifizierung die Stadt oder räumt sie auf. Angesichts der Chemischen Werke ist allerdings mit einer Disneysierung nicht zu rechnen. Auf- und Abstieg einzelner Stadtteile sind die zwei Seiten der Medaille, Zerfall und Modernisierung die normalen Atemzüge der Stadt. Und wer weiß, vielleicht wird Ludwigshafen oder Mülheim einmal Hauptstadt, wenn es die Berliner übertreiben.

Histomat

Die Berlinisierung Deutschlands (I)

1. Dezember 2012

Preußisch-Arkadien, den 2. Dezember 2012

“Twitter ist die Berlinisierung des Internets”

“München droht die Berlinisierung”

Solange es Städte gibt, verändern sie sich schnell. Deren Einwohner betrachten diese Entwicklung mißmutig, weil sie mit Unbequemlichkeiten verbunden ist, auch wenn es am Ende viele Nutznießer gibt, die sich bei dieser Gelegenheit die Taschen vollgeschlagen haben.

Diesen schnellen städtischen Modernisierungsprozeß nennt man neuerdings Berlinisierung. Vom 19. Jahrhundert an, auch die Nazizeit gehört als verspätetes politisches Phänomen dazu, bezeichneten das einige auch als “Verjudung”, um ihre Dickfelligkeit und Abneigung gegenüber Veränderungen zu verbergen. Das galt damals als politisch korrekt, heute müssen halt die Berliner als Sündenböcke herhalten. Um die Breite und Gefährlichkeit dieser Veränderungen zu unterstreichen, entdeckte man auch viele Christen als verführte “Gesinnungsjuden”, so wie heute Angela Merkel schon wegen ihrer leichten Berliner Sprachfärbung als Gesinnungs-Berliner bezeichnet werden kann.

Wir kennen alle den sagenhaften König Midas, bei dem alles, was er anrührte, zu Gold wurde. Einem weit verbreiteten Vorurteil nach gilt der Berliner als Gegenentwurf: Alle was er anfaßt, wird zu Schxxxx. Aber Vorsicht: Schon die Berliner Mode gilt als avantgardistisch. Während man in München oder Düsseldorf die teuren Labels außen angenäht tragen muß, um den hohen Preis zu erkennen, kleidet sich der Berliner “second hand” oder plündert die Kleidersammlung. Diese neue Mode heißt “Vintage-Streetware” und läßt das Messepublikum nach Berlin strömen.

Wem die Hektik der Stadt auf die Nerven geht, kann in Berlin schnell den Petrarca machen und sich im Umland ein Schloß oder Vierseithof suchen, um sich der Muße, Kultur und der Landwirtschaft in der noch oft unberührter Natur hinzugeben. In den Rückzugsgebieten der endlosen westdeutschen Agglomerationen, z.B am Tegernsee, werden “Ferienwohnungen” an tüchtige Osteuropäer dauernd vermietet, und der Lebensstil von Mietern, die “Berlinisierung”, greift um sich.

Wird in zwangloser Folge fortgesetzt, da sich die Stadt immer schneller verändert.

Histomat

Über natürliches Wachstum

28. November 2012

Preußisch-Arkadien, den 27. November 2012

Kürzlich kam in einem Interview des “Tagesspiegel” der radikalste Wachstumskritiker der Bundesrepublik zu Worte: Niko Paech. Dabei wurde erwähnt, daß das Wirtschaftsmagazin “brand eins” (kenne ich noch nicht) bei einer Architektin Inventur gemacht habe. Sie hatte 3.506 Gegenstände, wovon sie die Hälfte nie gebrauchte. Paech nennt das “Konsumverstopfung”.

Was soll ich da erst sagen? Bibliothek, Kunstgegenstände, Modellbahnen, Zweiräder, Werkzeuge, Automobile, Maschinen, Kleinteile- und Ersatzteillager usw., vermutlich 100.000 Gegenstände oder mehr. Vielleicht 75.000 Teile habe ich in den letzten Jahren wahrscheinlich nicht berührt. Aber behindert das den Konsum? Ist das Verstopfung? Sammler bereiten den erneuten Konsum vor, indem sie den Konsummüll geordnet aus dem Verkehr ziehen, den Platz also frei machen für neuen Konsum und gerade der “Verstopfung” vorbeugen. Da sie ihr ganzes Leben so verfahren und immer neue Bereiche “sammelwürdig” werden, mögen sie auch noch so läppisch sein, sind sie ein wichtiger Bestandteil der Konsum-Wegwerfgesellschaft. Was weggeworfen wird, heben sie auf und lagern es in ihren  düsteren Kellern, Garagen oder sonstwie nicht gerade einladenden Orten. Wenn sie sterben, wandert dann vieles endgültig auf den Müll, wird verschenkt oder für Kleingeld von den schon längere Zeit genervten Erben verschleudert.

Alles was einen Handelswert hat, auch Edel-Müll, unterliegt den Gesetzen des Marktes. Das Wachstum des Neuwarenmarktes pflanzt sich in den sekundären “Aftermarkt” fort. Trödler und sonstige Teilnehmer dieses Marktsegments treiben den Umsatz mit Auktionen und sich selbst erfüllenden Preisphantasielisten an. Alles wird durch die “Retromode” beschleunigt, eine Marketingmode. Die Rückbesinnung auf die Vergangenheit hat es zwar immer gegeben, etwa die Renaissance, die aber durch Philosophie, Kunst und Politik die Welt radikal veränderte, während die heutige Retrowelle eine alberne und flache Marketingidee ist.

Keine Frage, Paech ist ein Gegner der wirtschaftlichen Wachstumsideologie, die ein Scheinwachstum ist und wofür man inzwischen das zutreffende Wort “Blase” gefunden hat.  Er begründet seine Kritik ökologisch. Aber die ökologische Entwicklung der Erde kann das inzwischen kleine und bedeutungslose Europa nicht mehr beeinflussen. Welche sozialen und politischen Spannungen Wachstum im Norden und wirtschaftlicher Niedergang im Süden erzeugen, können wir jetzt in Europa beobachten. Schein-Wachstum ist inzwischen kein politischer und wirtschaftlicher Wert mehr.

Paech empfiehlt das “Erlernen der Genügsamkeit”. Für viele ein grotesker Vorschlag! Er hat all die modernen Elektronikgeräte nicht, nicht einmal ein “Handy”, trinkt aber mit Freunden in der Kneipe ein Bier, macht Musik, verreist nicht. Wir können annehmen, daß er ein zufriedener Mensch ist. Ich gehe inzwischen einen ähnlichen Weg und befreie mich von der Diktatur der 100.000 Gegenstände, indem ich demnächst das Weblog in eine Verkaufplattform umwandle. Verschenken wollen wir doch nichts, soviel Profitdenken muß auch im Alter noch sein. Das Geld wandert in Bereiche mit natürlichem Wachstum, die notfalls ohne meinZutun vor sich hinwachsen, nämlich meine Waldflächen.

Als die Weltstadt Venedig allmählich ihre Bedeutung verlor, versuchten die Kaufmannsfamilien von spekulativem auf natürliches Wachstum umzusteigen. Sie gründeten in Venetien “Villen”, die wir Schlösser mit landwirtschaftlichen Anbauten nennen würden. Ihr Baumeister war Palladio, der sogar noch den Taubenschlag in das Gebäude gestalterisch einarbeitete (Villa Barbaro, Treviso). Die Villa Da Porto Colleoni, Vicenza hat den wohl schönsten Stall der Welt. So erlaubte der Rückzug aus der unruhigen Stadt neben der Landwirtschaft auch die Beschäftigung mit Kunst, Musik, Literatur und Philisophie.

Bald wird Brandenburg und Mecklenburg heimliches Rückzugsgebiet der Großstadtmüden aus Westdeutschland sein. Man mag “Gut Hesterberg” (www.guthesterberg.de) bei Neuruppin wegen seiner Retroarchitektur peinlich finden, Palladio würde wohl wieder lebendig werden, wenn er das Unglück sähe. Trotzdem: ein Versuch. Leider ist der Gründer bei einem Jagdunfall vor zwei Jahren umgekommen. Mehr Glück hat Lindicke in Werder (www.wachtelberg.de), der ernsthaften professionellen Weinanbau betreibt und ordentliche Weine herstellt. Viele machen es ihm inzwischen nach, zu Geld gekommene Freiberufler, denen aber der großbürgerliche Bildungshintergrund fehlt. Wer Pferde liebt, findet einen der schönsten Betriebe Deutschlands hier in Werder (www.gestuet-bonhomme.de). Es ist sogar ein ziemlich gelungener Neubau. Aber natürlich geht nichts über Neustadt/Dosse. Und schließlich haben einige Adelsfamilien ihre Güter zurückgekauft und einen Neuanfang gewagt.

Histomat

Über politische Dendrologie

27. Oktober 2012

Preußisch-Arkadien, den 27. Oktober 2012

Drei politische Moden erlebte der Maulbeerbaum in Brandenburg. In der Zeit des Absolutismus sollte die Seidenraupenzucht einen Beitrag zur Finanzierung preußischer Großmachtträume leisten. Die dickfelligen Brandenburger schafften es aber nur, 5 % des Seidenverbrauchs in Preußen zu erzeugen. Wie man weiß, trauten sie nicht einmal der Kartoffel, die im nächsten Jahrhundert viele Menschen in Europa vor dem Hungertode bewahrte.

Die nächste Blüte erlebte der Maulbeerbaum in der Nazizeit, deren Bedarf an militärischer Fallschirmseide zu decken war. In Schulen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen, wie Sportvereinen, Kleingartenanlagen, Behörden sollten überzeugte Parteigänger des Nationalsozialismus ihren Beitrag für die Angriffskriege leisten. Am Ende reichte es nicht zur Heimatverteidigung. So finden sich auch in meinem Dorf am Festplatz oder dem ehemaligen Schießstand knorrige Maulbeerbäume, die sich aber keiner Kollektivschuld bewußt sind.

Ich bin gerade dabei, alle Standorte solcher politischen Bäume zu dokumentieren. Auf den Inspektionsfahrten mit meinem betagten Landrover, dessen Tüv-Plakette dringend der Erneuerung bedarf, wie man an den sorgenvollen Mienen der Kiefern ablesen kann, begegnen mir trotz Monokultur im Wald allerlei fremdartige Gehölze: ein Walnußbaum mit riesigen Walnüssen, die von den Einheimischen geringschätzig “Pferdenüsse” genannt werden. Wahrscheinlich russisches Erbgut aus der Bodenreform, wie der Apfelbaum der Sorte “Charlamowski” in meinem Garten. Dessen feiner Champagnergeschmack verliert sich allerdings schon nach kurzer Lagerung wie der Ruf einer bestimmten automobilen Nobelmarke.

Der Naturschutzbund des Landkreises Dahmeland hat eine umfangreiche Dokumentation der im Landkreis noch vorhandenen Maulbeerbäume vorgelegt, ergänzt durch Zeitzeugenberichte. So berichtet MATTIGKA über seine Schulzeit und seinen Lehrer. Im Klassenraum hatte der Lehrer Z. eine Seidenraupenzucht angelegt, die die Schüler den ganzen Tag beschäftigte. Sie mußten auf den Maulbeerbäumen herumklettern, um kubikmeterweise Blätter zu beschaffen, und täglich die Stellagen reinigen, denn die gefräßigen dicken Raupen produzierten gewaltige Mengen an Kot.

Litten die Raupen Hunger, machten sie sich im Schulhaus auf die Suche nach Nahrung, was vermutlich zu heiteren und interessanten Zwischenfällen während des Unterrichts in anderen Klassen führte. Nach dem Krieg bestrafte die russische Besatzungsmacht den Lehrer Z. für seine Nazitreue und verweigerte ihm seine Rente. Ihm blieb nichts Anderes übrig als die restlichen Seidenraupen in sein Haus umzusiedeln. Sie wuselten bis unter das Dach herum und teilten auch sein Bett mit ihm, wie unser Chronist berichtet. Regelmäßig lieferte nun der ehemalige Pädagoge einen Sack Kokons an die Kommandantur und besserte damit seine dürftige Existenz auf.

Die dritte politische Blüte erlebt der Maulbeerbaum heute. Ökologen und Politiker der Grünen schwärmen vom unverdorbenen und authentischen Erbgut des Wildobstes. In jedem Lehrergarten stehen heute Speierling, Germanische Mispel oder sonst etwas schwer Reifendes und Sauerholziges. Inzwischen verdrängen aber die grünen Ideologen ihre Vorbehalte gegen die einfach nur wohlschmeckenden und schon im Sommer reifen Maulbeeren, denn es sind ja eigentlich Neophyten, die hier angeblich nichts zu suchen haben.

Mein “Hoheitsförster”, so heißen diejenigen Förster nach der Forstreform jetzt, die als Beamte den bundesdeutschen und brandenburgischen Waldgesetzen auch im Privatwald Geltung verschaffen sollen, berichtete mir von dem Versuch in seinem Heimatdorf, die Allee zum Gutshof wieder mit Maulbeerbäumen zu rekonstruieren. Vergeblich. Ob es nun rechte Ideologen in der Unteren Naturschutzbehörde waren, die etwas gegen Gehölze mit Migrationshintergrund hatten, oder alte SED-Seilschaften, für die Maulbeerbäume Relikte des Feudalismus sind, wer weiß das schon. Wahrscheinlich wird man Linden anpflanzen, aber deren reichlich herabrieselnden Blattlaus-Exkremente werden von den Autofahrern gehaßt und von den Bienen geliebt. Und vermutlich heißt die Allee noch immer Wilhelm-Pieck- oder Otto-Grotewohl-Str. oder “Allee der Kosmonauten”.

Wer sich für Wildobst interessiert, sei auf eine vom “Bundessortenamt” herausgegebene Broschüre “Beschreibende Sortenliste 1999/Wildobstarten” verwiesen, die für 9,90 Euro über die entsprechende Internetseite des in Marquardt (Preußisch-Arkadien) gelegenen Prüfamtes bezogen werden kann. Auf 200 Seiten erfährt man, daß einige Rosensorten zum Wildobst zählen, weiße Maulbeerbäume auch schwarze Früchte haben können und ob man statt Allerwelts-Vogelbeeren nicht lieber die Edel-Ebereschen “Krupnoplodnaja” oder “Mitschurina Desertnaja” anbauen sollte.

Histomat

Fortsetzung: Treffpunkte der Enttäuschten

3. August 2012

Preußisch-Arkadien, den 4. August 2012

Weiter bei Ebay: Im Angebot ist ein düsterer Kommandeurswagen der NVA Baujahr 1952, hergestellt im ehemaligen Hillerwerk Zittau, gegründet 1888, welches zu den ältesten Fahrzeugwerken überhaupt gehört, Spielball und Opfer der modernen Geschichte, unter der Marke “Phänomen”, “Granit” und “Robur” bekannt. Den letzten Auftritt hatten die leichten LKW mit Allradantrieb im Golfkrieg, wo sie von der Luftwaffe der Alliierten zusammengeschossen wurden.

Die ausführliche Bezeichnung für das Fahrzeug lautet Phänomen Granit 27 D/Zg. Die 27 steht für den Hubraum 2,7 l, ein luftgekühlter 4-Zylinder-Viertakt-Ottomotor. Das D/Zg bedeutet Dienst- und Zugfahrzeug. Die Auktionsnummer ist 290752133161, Gebote liegen nicht vor, obwohl die Preisforderung gerade noch moderat zu nennen ist, denn das Fahrzeug ist seltener als der Verkäufer offensichtlich weiß: Kein Mannschaftswagen, sondern ein “Jagdwagen”, wie ihn der ehemalige Firmeninhaber Rudolf Hiller für seine Jagd bauen ließ. Dieser verkürzte Phänomen Granit entsprach den P-Modellen auf BMW-Basis aus Eisenach bzw. den Horch-Kübelwagen aus Zwickau.

In der Beschreibung finden sich 5 großformatige Bilder mit hoher Auflösung, das dritte ist sehr nett. Es zeigt offensichtlich eine Ausfahrt mit Tante Grete und Onkel Karl, um Unterhaltsmittel anzuwerben. Vielleicht nervt auch den Eigentümer, daß Fahrzeuge mit mattgrüner Farbe auf Veranstaltungen wie Schloß Dyck in die hinterste Ecke des Miscanthusfeldes komplimentiert werden. Schade also, daß der Eigentümer sich von diesem interessanten und seltenen Fahrzeug trennen will.

Warum nicht einfach auf den Schloßhof fahren und laut “Jedermann” rufen? Die semi-eleganten älteren Herrschaften neben ihren glänzenden tuntigen Sportwagen dürften wohl erstarren. “Jedermann, wann warst Du das letzte Mal steuerehrlich?” Aber wahrscheinlich werden sich diese Hartgesottenen über einen vermeintlichen didaktischen Trick der Pastorentochter oder des gerade gewählten Pastors empören. Schließlich weiß man ja, daß im Osten die Tempoblitzer am Straßenrand als Mülltonnen getarnt sind, die pieksauber sind.

Ich besitze übrigens ein Phänomen-Fahrrad von 1905, ein Rennrad für Steherrennen. Die gewaltige Übersetzung läßt sich nur im Windschatten eines Motorrades nutzen, alle entbehrlichen Teile des Fahrrades sind entfernt, es rollt auf filigranen federleichten Holzfelgen, schwarzer Rahmen, gelbe Felgen, vernickelte Blankteile, ein ästhetischer Genuß. Aber darüber kann man mit Altautobesitzern nicht reden, weder über Fahrräder, noch über Ästhetik.

Histomat

Treffpunkte der Enttäuschten

1. August 2012

Preußisch-Arkadien, den 1. August 2012

Die Oldtimer-Rubrik von Ebay wird immer lesenswerter. Traf man früher auf etwa 250 Angebote, meistens die öden Brot- und Butterautos der 60ziger und 70ziger, ist das Angebot zahlreicher und bunter geworden, z.Zt. laufen fast 1.500 Auktionen und Anzeigen. Obwohl überall gepredigt wird, in heutiger Zeit bei den Sachwerten zu bleiben, trennen sich immer mehr von ihren Altautos, meist aus guten Gründen.

Die Altauto-Bloggerszene dreht sich deshalb auch thematisch im Kreise, allen voran z.B.  jener Blogger aus dem hessischen Reha-Ort Bad Dingsbums, der sich zum Wortführer der frustrierten Markentreuen einer bestimmten ehemaligen Premiummarke aufschwingen will. Trotzdem gebe ich dem Animateur Dr. H. gerne recht, daß z.B. die ewige Nörgelei an der glänzenden Veranstaltung in Schloß Dyck unangebracht sei, denn sie ermöglicht ganz demokratisch dem kleinsten Licht aus der “erstbesten Gesellschaft” den großen Auftritt in einem Park vor einem Schloß. auch wenn der festlich gedeckte Pique-Nique-Tisch aus dem Nachlaß von Tante Grete stammt, auf dem sie,  bettlägerig geworden, ihre Tabletten, die Apotheken-Umschau und “das Essen auf Rädern” abstellte. Ihr Mercedes 123 ist in Schloß Dyck nicht unbedingt der “Bringer”, man muß sich halt mit einem Stellplatz auf dem frisch gemähten Energiepflanzenfeld begnügen, wenn nicht weiter draußen.

Zurück zu Ebay. Spitzenreiter ist zur Zeit der “Praga Piccolo” aus den Dreißigern, der für sagenhafte 4,5 Millionen Euro angeboten wird. Die Auktionsnummer ist 300750346288, der Zustand des Fahrzeugs nach meiner Einschätzung ca. 3-4, der Wert vielleicht 5.000 Euro. Der Verkäufer hat sich angesichts der Eurokrise mit ihren schwindlig machenden Rettungsschirmen im Zahlensystem verlaufen. Für eine Besichtigung unter anwaltlicher Aufsicht verlangte er anfangs 5.000 Euro, nun sind Besichtigungen nicht mehr möglich. Besichtigungsgebühren zu verlangen, ist keine schlechte Idee, werde ich mir merken. Im Internet kursieren Berichte über diesen Mann aus Süddeutschland, der eigentlich nicht verrückt sei, aber wohl sich vergaloppiert habe und nicht mehr zurück könne, ohne das Gesicht zu verlieren. Ein Schicksal, das er mit unseren Politikern teilt, für die es bei der Lösung der Banken- und Währungskrise auch kein Zurück mehr gibt.

Wehmut erfaßt mich bei dem Angebot Hillman Minx, Baujahr 1959, Auktionsnummer 271026538287. Wie oft haben wir in unserer Jugend abgelegte Fahrzeuge für Kleingeld erworben und “angelsächsisch” restauriert. Wir benutzten reichlich Glasfasermatten und flüssigen Kunststoff, säuberten die Rostlöcher sorgfältig und arbeiteten wie im Bootsbau. Das Ergebnis war nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch für die Ewigkeit bestimmt. Wenn man die trostlosen Schweißarbeiten von heute sieht, deren Hauptmangel die fehlende Nachbearbeitung der Nähte gegen Korrosion ist, habe ich wegen meiner damaligen Arbeiten kein schlechtes Gewissen. Der oben erwähnte Hillman hat gute Chromteile, ist mit straff sitzenden Schonbezügen innen noch zu retten, der Zweifarbenlack ist besonders gut geeignet für das Ausbessern mit Niederdruck-Lackierpistolen. Ich traue mir durchaus zu, mit 200 Euro das Fahrzeug in den Zustand 3+ zu versetzen. Mache ich natürlich nicht, habe ich schon lange nicht mehr nötig.

Morgen oder sonstwann geht es weiter. Im Augenblick ist einfach das Wetter zu schön.

Histomat

Schau mir in die Halos, Kleines!

15. Juli 2012

Preußisch-Arkadien, den 15. Juli 2012

Noch nie habe ich eine Mercedes-Niederlassung betreten und ich gebe zu, daß in mir Vorurteile gegenüber dieser Marke tief verwurzelt sind. Wenn hier in Groß Kreutz (4.000 Einwohner) ein Mercedeslenker aussteigt, und das geschieht durchschnittlich 1- 2 Mal in der Woche, meistens auf dem Edeka-Parkplatz, macht sich unter den umstehenden und raunenden Eingeborenen Enttäuschung breit. Nie kann der Fahrer das halten, was sein Fahrzeug verspricht. So verfestigen sich Vorurteile. Fährt ein Audi oder BMW dagegen vor, macht sich Anerkennung breit, der Fahrer spielt nun keine Rolle mehr. Selbst ein Lada Niva, GAS 69 oder mein räudiger Landrover finden wohlwollendes Interesse.

Als zivilisierter Mensch muß man Vorurteile in sich bekämpfen. Auf der Suche nach dem Dreigenerationen-Fahrzeug (”Three Generation Vehicle” / 3GV: alle Rechte bei Histomat) werde ich auch eine Mercedes-Niederlassung besuchen, um die seelische Erschütterung zu erleben, die Vorurteile ins Wanken bringt.

Ich will diese Aktion gut vorbereiten, denn mit Verkäufern muß man rücksichtsvoll umgehen. Eingeleitet wurde meine psychologische Wende durch einen Renaultverkäufer, der auf meine eindringliche Frage, warum Renault noch immer nicht die Langversion des Kangoo in Deutschland anbiete, antwortete: “Die Bänder sind durch den Mercedes-Kangoo belegt”. Ich hielt das für einen Scherz, was ja einem Domestiken nicht zusteht, und verließ beleidigt den “Showroom”.

Einige Zeit später sah ich in “Auto Motor Sport” zufällig die ersten Bilder vom Mercedes-Kangoo. Tatsächlich ein Renault, nur der Grill trug einen Mercedesstern. Der Renaultverkäufer hatte mich nicht auf den Arm genommen, sondern nur die Wahrheit gesagt. Unzulässig witzig wäre gewesen, wenn er mir den Renault/Dacia Lodgy mit der Begründung empfohlen hätte, daß sich das Dacia-Logo auch leicht durch einen Stern ersetzen ließe. Er hätte auch vortäuschen können, daß bereits die “Edition Humphrey Bogart” fertiggestellt sei, denn Renault/Dacia produziert den Wagen noch in Tanger/Marokko, aber demnächst vielleicht in Casablanca. Unter der Werbe-Schlagzeile “Schau mir in die Halos, Kleines” hätte man als “Giveaway” einen Schlapphut, einen Trenchcoat und eine Packung filterlose Zigaretten angeboten, zusätzlich zur 96 Monate Finanzierung. Naja, Verkäufer lügen eben nicht.

Wie man sieht, habe ich mich auf meinen Mercedesbesuch gut “mental” vorbereitet. Da allerdings zu befürchten ist, daß man mich - wie schon aus allen Internetforen - aus dem MB-Glaspalast hinauswerfen wird, wenn ich meine Worte nicht sorgfältig auswähle, habe ich noch einige Hausarbeit zu erledigen. Sorglose Reden, wie “ich möchte mal in einem Kangoo probesitzen” gehen natürlich nicht.

Nächstes Mal also eine Reportage aus der MB-Niederlassung.

Histomat